Sled Pull – der komplette Guide
- Bernhard Schindler
- vor 5 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
50 Meter, die dein Rennen entscheiden
Der Sled Pull ist Station 3 beim HYROX-Race. Nach SkiErg, Sled Push und dem dritten Lauf kommt die Station, die das Feld massiv entzerrt. Während Top-Athleten unter drei Minuten durchziehen, brauchen viele sieben bis zehn Minuten oder mehr.

Die gute Nachricht: Genau hier kannst du richtig Zeit gutmachen.
Dieser Guide gibt dir alles: von den Grundlagen über das Regelwerk bis zur Race-Day-Strategie.
Die Grundlagen
Beim Sled Pull ziehst du einen gewichteten Schlitten mit einem Seil über den HYROX-Teppich – 50 Meter, aufgeteilt in vier Bahnen à 12,5 Meter. Belastet werden:
Latissimus – der große Rückenmuskel
Bizeps, Unterarme und Griffkraft – das Seilhalten fordert massiv
Glutes und Hamstrings – die hintere Beinmuskulatur
Core – gegen die Rotation
Quadrizeps – beim Rückwärtsgehen
Der große Herausforderer: Der Teppich gleitet schlechter als Gym-Böden und kann sich aufrollen. Viele unterschätzen den Widerstand.
Gewichte nach Division (inklusive Schlitten)
Division | Gewicht |
Women | 78 kg |
Women PRO / Men | 103 kg |
Men PRO | 153 kg |
Doubles Women | 78 kg |
Doubles Men / Mixed | 103 kg |
Relay (Frauen/Männer) | 78 / 103 kg |
Zwischen Women und Men PRO liegen bis zu 75 Kilogramm Unterschied.
Regeln und Penalties
Dir wird eine Bahn zugewiesen, die du nutzen musst.
Vor dem Start müssen Schlitten und Athlet komplett in der Racers Box sein.
Du musst immer in deiner Box bleiben (rund zwei Meter Arbeitsbereich an jedem Ende).
Während du das Seil hältst, darfst du nicht auf die vordere oder hintere weiße Linie treten.
Der Schlitten muss die 12,5-Meter-Markierung komplett überqueren, bevor du wendest.
Du musst die gesamte Zeit stehen – Sitzen oder Knien ist verboten.
Penalty-Übersicht
Vergehen | Konsequenz |
erster Verstoß | Verwarnung |
zweiter Verstoß | 15 Sekunden |
jeder weitere Verstoß | 15 Sekunden (ohne Warnung) |
fehlende Länge | 3 Minuten pro Länge |
Ziehen im Sitzen oder Knien | Disqualifikation |
Hinweis zum Chalk: An dieser Station ist Event-Chalk erlaubt – neben dem Farmers Carry die einzige Station mit bereitgestelltem Chalk. Nutze es für besseren Grip. Mitgebrachtes Puder-Chalk an anderen Stationen kostet 2 Minuten.
Die perfekte Technik
Es gibt drei bewährte Techniken.
Hand-over-Hand: Zuerst allen Slack im Seil eliminieren (HYROX-Seile dehnen sich), in eine Deadlift-Position mit zurückgeschobener Hüfte gehen und Hand über Hand ziehen, als würdest du dich am Seil hochklettern. Sehr grifflastig – ideal für Athleten mit starker Oberkörperkraft und Pro-Kategorien.
Backward Walk: Slack eliminieren, das Seil mit beiden Händen nehmen, zurücklehnen und in kleinen, kontrollierten Schritten rückwärtsgehen. Die Arme bleiben gestreckt, die Kraft kommt aus Beinen und Hüfte. Schont den Griff – die beste Wahl für die meisten Open-Divisionen.
Pro-Tipp: Nutze die volle Box. Je länger die Schritte, desto weniger Wiederholungen brauchst du.
Hybrid-Technik: Mit kräftigem Hip-Drive und zwei bis drei Hand-over-Hand-Zügen starten, dann zum Backward Walk wechseln, sobald der Schlitten rollt. Nur für erfahrene Athleten.
Rund 70 Prozent aller Athleten fahren mit dem Backward Walk am besten.
Häufige Fehler und Korrektur
Fehler | So machst du es richtig |
Slack nicht eliminiert | Seil straffen, bevor du Kraft aufwendest |
zu aufrechte Position | Körper zurücklehnen, Gewicht nutzen |
nur mit den Armen ziehen | Power aus den Beinen |
zu kurze Schritte | volle Boxlänge nutzen |
auf die Linie treten | Box-Grenzen bewusst trainieren |
Seil verheddert sich | Seil zur Seite halten |
Strategie und Effizienz
Pacing – die 50 Meter klug aufteilen
0–12,5 m: kontrolliert starten, Slack eliminieren, Rhythmus finden (rund 85 %).
12,5–37,5 m: konstante Pace, an den Wechseln zwei bis drei tiefe Atemzüge (90–95 %).
37,5–50 m: durchziehen, der Burpee Broad Jump kommt nach dem Exit (95–100 %).
Der Initial-Pull
Das Seil straffen, bis keine Dehnung mehr da ist.
Position einnehmen (Hand-over-Hand: Deadlift-Position; Backward Walk: tiefer Stand, Arme gestreckt).
Mit dem ganzen Körper ziehen, nicht nur mit den Armen.
Wichtig: Der Initial-Pull ist der härteste – der Schlitten will nicht bewegt werden. Erwarte Widerstand und bleib dran.
Pace-Richtwerte nach Level
Level | Pace pro 12,5 m | Gesamtzeit |
Beginner | 1:15 – 1:30 | 5:00 – 6:00 |
Intermediate | 1:00 – 1:15 | 4:00 – 5:00 |
Advanced | 0:45 – 1:00 | 3:00 – 4:00 |
Elite | unter 0:45 | unter 3:00 |
Atmung und Mental-Hacks
Beim Hand-over-Hand passt ein 2:1-Rhythmus (einatmen beim Greifen, ausatmen beim Ziehen), beim Backward Walk ein 2:2-Rhythmus. Mental helfen die Aufteilung in 4 × 12,5 Meter und ein Mantra wie „pull strong, stay low".
Training und Vorbereitung
Das Training ruht auf vier Säulen:
Kraft (schwere Lasten): Maximalkraft unter Vorermüdung aufbauen.
Speed (60–70 %): perfekt zum Testen aller Techniken.
Kondition: Pull und Lauf verbinden.
Race-Simulation: im ermüdeten Zustand üben.
Frequenz: zweimal sled-pull-spezifisch pro Woche, zweimal Zugtraining (Rows, Pull-Ups, Deadlifts), zweimal Griffkraft (Farmer's Carries, Dead Hangs), alle zwei bis drei Wochen eine Simulation. Der Teppich ist schwerer als der Gym-Boden – schwerer oder auf ähnlichem Untergrund trainieren.
Race-Day-Protokoll
Singles
Station betreten: Bahn zugewiesen bekommen, Seil kurz entwirren falls nötig.
Positionieren: in die Racers Box komplett hinter die weiße Linie, Slack eliminieren.
Technik wählen: Hand-over-Hand, Backward Walk oder Hybrid – bei Backward Walk die Arme sofort gestreckt.
Initial Pull: Seil straffen, Körper zurücklehnen, Spannung aufbauen, der erste Zug ist der schwerste.
Durchziehen: konstantes Tempo, an den Wechseln den Schlitten komplett über die Linie, Seil zur Seite halten.
Finish: erst wenn der Schlitten ganz über die Ziellinie ist, bist du fertig.
Doubles
Vorab eine Split-Strategie festlegen und die Startbahnen klären – beide müssen zur Station gehen. Beim Wechsel zieht der arbeitende Athlet bis zum vereinbarten Punkt, der wartende läuft direkt hinter ihm.
Übliche Splits:
25/25 m – beide gleich
30/20 m – der Stärkere mehr
Wechsel alle 12,5 m – maximale Frische
37,5/12,5 m – bei großem Kraftunterschied
Fazit: Dein Sled-Pull-Masterplan
Der Sled Pull entzerrt das Feld und ist deine Chance, Zeit gutzumachen. Die drei wichtigsten Takeaways:
Technik vor Kraft – Backward Walk ist für die meisten die beste Wahl.
Slack eliminieren – zieh das Seil stramm, bevor du Kraft aufwendest.
Der Teppich ist der Boss – trainiere schwerer oder auf ähnlichem Untergrund.


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