Sandbag Lunges – der komplette Guide
- Bernhard Schindler
- vor 3 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
100 Meter, die deine Beine zerstören
Die Sandbag Lunges sind Station 7 beim HYROX-Race. Nach SkiErg, Sled Push, Sled Pull, Burpee Broad Jump, Rowing, Farmer Carry und dem siebten Lauf kommt der berüchtigte Oberschenkel-Brenner. Du hast bereits sechs Kilometer in den Beinen und sechs intensive Stationen hinter dir.

Die Lunges sehen harmlos aus – aber 100 Meter mit einem Sandbag auf den Schultern nach dieser Vorermüdung sind die Hölle.
Dieser Guide gibt dir alles: von den Grundlagen über das Regelwerk bis zur Race-Day-Strategie.
Die Grundlagen
Bei den Sandbag Lunges trägst du einen Sandbag auf beiden Schultern und lungest insgesamt 100 Meter. Die Station ist in mehrere Bahnen aufgeteilt – in den Wendezonen wird nicht gelungt, aber jede neue Bahn beginnt mit einem Lunge über die Startlinie. Belastet werden:
Quadrizeps – der Hauptarbeiter
Glutes – explosive Kraft beim Aufstehen
Hamstrings – zur Stabilisierung
Core – unter der Last auf den Schultern
Hüftbeuger – für den Vorwärtsschritt
der Kopf – jeder Lunge ist ein Kampf
Der große Herausforderer: Nach sechs Kilometern und sechs Stationen sind die Beine völlig vorermüdet. Hier kommen die meisten an ihre absolute Grenze.
Gewichte nach Division
Division | Sandbag |
Women | 10 kg (weiß) |
Women PRO / Men | 20 kg (grau) |
Men PRO | 30 kg (schwarz) |
Der Sandbag muss die gesamte Zeit auf beiden Schultern bleiben – Ablegen führt sofort zu einer Strafe.
Regeln und Penalties
Die Station beginnt und endet mit dem Herausnehmen bzw. Zurücklegen des Sandbags.
Du startest aufrecht mit beiden Füßen hinter der Linie, bevor du den ersten Lunge über die Startlinie machst.
Bei jedem Lunge muss das hintere Knie klar den Boden berühren.
Jede Wiederholung endet damit, dass du komplett aufstehst (Hüfte und Knie voll gestreckt).
Die Lunges müssen alternierend sein – links, rechts, links.
Du darfst durchsteigen oder zwischen den Lunges mit beiden Füßen parallel stoppen, aber keine Zusatzschritte machen.
Der vordere Fuß muss am Ende jeder Bahn und über die Ziellinie komplett über die weiße Linie.
Penalty-Übersicht
Vergehen | Konsequenz |
hinteres Knie ohne Bodenkontakt | 15 Sekunden (nach 1. Verwarnung) |
nicht vollständig aufgestanden | 15 Sekunden (nach 1. Verwarnung) |
nicht alternierend | 15 Sekunden (nach 1. Verwarnung) |
Zusatzschritte zwischen den Lunges | 15 Sekunden (nach 1. Verwarnung) |
Sandbag nicht korrekt zurückgelegt | 30 Sekunden (außer Korrektur vor Roxzone-Exit) |
falsche Gewichte | gesamte Station wiederholen, sonst DQ |
Besonders wichtig: Der Sandbag muss immer auf beiden Schultern bleiben. Nimmst du ihn ab, kostet das beim ersten Mal sofort 15 Sekunden ohne Warnung – beim zweiten Mal folgt die Disqualifikation.
Die perfekte Technik
Der Sandbag Lunge besteht aus vier Phasen.
Phase 1 – Startposition: Aufrecht stehen, Füße hüftbreit, Sandbag mittig auf beiden Schultern, Core aktiviert, Blick nach vorne.
Phase 2 – Lunge Step: Großer Schritt nach vorne (rund 80 bis 100 cm), hinteres Knie zum Boden senken (klarer Kontakt), vorderes Knie über oder hinter den Zehen, Oberkörper aufrecht.
Phase 3 – Stand-up: Explosiv aus dem vorderen Bein hochdrücken, komplett strecken, hinteren Fuß nach vorne bringen, beide Füße parallel, Hüfte voll geöffnet.
Phase 4 – Next Lunge: Das andere Bein macht den Schritt – immer abwechselnd.
Hinweis: Zwischen den Lunges darfst du pausieren (beide Füße parallel), aber keine zusätzlichen Schritte machen.
Die zwei Lunge-Strategien
Continuous Lunging: fließende Bewegung ohne Stopp, rhythmisch und konstant – für Fortgeschrittene, gute Beine, leichtere Gewichte.
Pause-and-Go: Lunge, aufstehen, kurze Pause (1–2 Sekunden), nächster Lunge – für Einsteiger, schwere Gewichte und stark ermüdete Beine.
Rund 70 Prozent nutzen Pause-and-Go.
Häufige Fehler und Korrektur
Fehler | So machst du es richtig |
hinteres Knie ohne Bodenkontakt | tiefer gehen, Knie muss den Boden berühren |
nicht vollständig aufstehen | Hüfte und Knie komplett strecken |
zu kurze Schritte | längere Schritte = weniger Lunges |
Oberkörper nach vorne lehnen | aufrecht bleiben, Core aktiviert |
vorderes Knie über die Zehen | Knie über oder hinter den Zehen |
Sandbag rutscht | mittig positionieren, beide Schultern gleich |
Zusatzschritte | ein Lunge = ein Schritt |
Strategie und Effizienz
Pacing – die 100 Meter klug aufteilen
0–25 m: Rhythmus finden, prüfen ob der Sandbag mittig liegt (80–85 %).
25–50 m: das Brennen beginnt – mental stark bleiben, ruhig atmen (85–90 %).
50–75 m: härteste Phase, jeder Lunge ist ein Kampf – eine Bahn nach der anderen.
75–100 m: durchbeißen (85–90 %).
Schrittlänge
Schrittlänge | Eigenschaft | Für wen |
kurz (60–70 cm) | mehr Lunges, einfacher aufzustehen | Einsteiger, schwere Gewichte |
mittel (80–100 cm) | Balance aus Anzahl und Schwierigkeit | die meisten |
lang (100–120 cm) | weniger Lunges, schwerer aufzustehen | Fortgeschrittene |
Pace-Richtwerte nach Level
Level | Zeit über 100 m | Anzahl Lunges (ca.) |
Beginner | 4:00 – 5:00 | 55–70 |
Intermediate | 3:00 – 4:00 | 45–55 |
Advanced | 2:30 – 3:00 | 40–45 |
Elite | unter 2:30 | unter 40 |
Mental-Hacks
Die Bahn-Methode (nur die aktuelle Bahn im Kopf), der 10er-Trick (bis 10 zählen, dann von vorn) und ein Mantra wie „knee down, stand up".
Training und Vorbereitung
Das Training ruht auf vier Säulen:
Technik: Lunge-Drill mit und ohne Gewicht, Alternating-Drill für sauberes Abwechseln, Pause-and-Go-Training.
Kraft: explosive Beinkraft (Bulgarian Split Squats, Walking Lunges, Front Squats, Step-Ups) plus Core (Zercher Carries, Front-Loaded Carries, Weighted Planks) und Hüftbeuger.
Kondition: Intervalle, Race-Simulationen, Overload-Training mit fünf bis zehn Kilogramm mehr.
Mental: Visualisierung und Pain-Tolerance.
Frequenz: zweimal sandbag-lunges-spezifisch pro Woche, zweimal Beintraining, alle zwei bis drei Wochen eine Simulation. Die Lunges sind der mentale Tiefpunkt – train the pain.
Race-Day-Protokoll
Singles
Gewicht checken: Farbe prüfen (weiß 10 kg, grau 20 kg, schwarz 30 kg).
Sandbag aufnehmen: aus dem Boden heben, mittig auf beide Schultern.
Startposition: aufrecht, beide Füße hinter der Linie.
Start: erster Lunge über die Linie, hinteres Knie zum Boden.
0–25 m: Rhythmus finden, Technik vor Tempo.
25–75 m: mental stark bleiben, eine Bahn nach der anderen.
75–100 m: alles geben.
Finish: vorderer Fuß komplett über die Ziellinie, Sandbag zurücklegen, ab zur Roxzone.
Kritisch: Der Sandbag bleibt die gesamte Zeit auf den Schultern – Runternehmen kostet sofort 15 Sekunden, beim zweiten Mal die Disqualifikation.
Doubles
Vorab eine Split-Strategie festlegen und klären, wer zuerst startet – beide müssen zur Station gehen. Beim Wechsel lungt der arbeitende Athlet bis zum vereinbarten Punkt, der wartende geht hinter ihm, die Übergabe erfolgt seitlich oder rückwärts, nie nach vorne.
Übliche Splits:
50/50 m – beide gleich
60/40 m – stärkere Beine übernehmen mehr
75/25 m – Risiko-Strategie
Wechsel alle 25 m – maximale Frische
Fazit: Dein Sandbag-Lunges-Masterplan
Die Sandbag Lunges sind der mentale und physische Tiefpunkt des Races. Die drei wichtigsten Takeaways:
Der Sandbag bleibt auf den Schultern – einmal runter sind 15 Sekunden, zweimal die Disqualifikation.
Finde deinen Rhythmus (Continuous oder Pause-and-Go) im Training.
Bleib mental stark – ein Lunge nach dem anderen.


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